Hanspeter Thür kritisiert Krankenversicherung
Datenschützer kritisiert Assura-Umfrage
publiziert: Donnerstag, 2. Aug 2012 / 17:45 Uhr
Hanspeter Thür, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter EDOEB
Hanspeter Thür, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter EDOEB

Bern - Der Bund prüft derzeit, wie die Zahl der Organspenden in der Schweiz erhöht werden könnte. Bis Ende Jahr will der Bundesrat einen Bericht vorlegen. Wie die Bevölkerung darüber denkt, möchte die Krankenkasse Assura herausfinden - mit einer umstrittenen Umfrage.

10 Meldungen im Zusammenhang
Heute dürfen Organe nur entnommen werden, wenn die betroffene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat oder wenn die Angehörigen es erlauben. Zur Debatte steht, dies zu ändern und die sogenannte Widerspruchsregelung einzuführen: Wer sich zu Lebzeiten nicht ausdrücklich gegen eine Organspende ausspricht, stellt seine Organe zur Verfügung.

Die Krankenkasse Assura befürwortet eine solche Regelung. Mit einer Umfrage bei ihren Versicherten möchte sie die politischen Entscheidungsträger von einer Gesetzesänderung überzeugen, wie sie Ende Juli mitteilte.

Kritik des Datenschützers

Die Umfrage stösst jedoch auf Kritik. Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte, Hanspeter Thür, erachtet vor allem als problematisch, dass die Daten von einer US-Firma ausgewertet werden, wie er am Donnerstag gegenüber Radio DRS sagte.

Nach schweizerischem Recht dürften solche Datenlieferungen nur in Länder erfolgen, die einen vergleichbaren Datenschutz hätten, sagte Thür im Radiobeitrag. «Die Vereinigten Staaten haben dies nicht, das heisst, man weiss nicht, was mit diesen Daten gemacht wird.»

Teilnahme freiwillig

Die Assura will die Umfrage dennoch fortführen. Der Datenschützer habe sich bisher nicht bei der Versicherung gemeldet, sagte Assura-Sprecher Xavier Studer auf Anfrage. «Für den Moment ändert sich nichts.» Aus Sicht der Assura sei die Umfrage unproblematisch. Die Teilnahme sei freiwillig, und der Zweck werde klar erläutert.

Keine Probleme sieht auch das Bundesamt für Gesundheit. Die Assura sei frei, eine solche Umfrage durchzuführen, hält es fest. Allerdings müsse sie dabei klar darstellen, dass dies in Eigenregie geschehe.

Keine Kontrollfrage

Die Assura fragt die Versicherten in der Umfrage, wie sie sich zu einer Gesetzesänderung stellen. «Beantragen Sie, dass das Schweizer Gesetz in dem Sinne geändert wird, dass die Einwilligung des Organspenders bei seinem Todesfall vorausgesetzt wird?», lautet eine Frage. Dies würde bedeuten, dass jemand sich zu Lebzeiten explizit gegen eine Organspende aussprechen müsste, wenn er seine Organe nicht spenden möchte.

Die Versicherten können Ja oder Nein ankreuzen. Eine Kontrollfrage stellt Assura nicht. Sie will von den Versicherten also nicht wissen, ob sie daran festhalten möchten, dass eine Organentnahme nur möglich ist, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten zugestimmt hat oder seine Angehörigen zustimmen.

Bundesrat zweifelt

Das Problem des Organmangels beschäftigt auch die eidgenössischen Räte. Der Bundesrat zeigte sich in seinen Antworten auf Vorstösse aus dem Parlament bereit, Massnahmen zu prüfen, unter anderem auch die Widerspruchsregelung. Er zeigte sich allerdings skeptisch: Neuste Studien zeigten, dass die unterschiedlichen Spende-Raten in verschiedenen Ländern nicht mit der Widerspruchslösung erklärt werden könnten, hielt er fest.

Der Bundesrat will seine Vorschläge bis Ende Jahr vorlegen. Vor den Sommerferien hatte er bereits kleinere Änderungen beschlossen. So will er im Gesetz verankern, dass die Anfrage an die Angehörigen und deren Zustimmung zur Organentnahme erfolgen kann, nachdem entschieden worden ist, die lebenserhaltenden Massnahmen abzubrechen - also bereits vor dem Tod.

(asu/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese versicherungen.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter ... mehr lesen
Der Datenschützer hat Ende letzter Woche den elf betroffenen Banken einen Brief geschrieben. (Archivbild)
Bern - Krankenversicherer sollen ... mehr lesen
Seit Jahren wird kritisiert, dass die Krankenversicherer zu viele Patientendaten einfordern, um die Spitalrechnungen zu überprüfen.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Zürich - Drei Monate vor Einführung ... mehr lesen
Santésuisse beschreibt die bundesrätlichen Vorschläge als «praxisfremd».
Gesundheitsminister Didier Burkhalter.
Bern - Gesundheitsminister Didier ... mehr lesen
Bern - Die Kritik am Austausch von ... mehr lesen
Die Ärzteschaft fürchtet einen «Ausverkauf des Arztgeheimnisses».
Der gläserne Patient - Die Krankenkassen müssen nicht alles wissen.
Zürich - Der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich, Bruno Baeriswyl, verfolgt «mit besonderer Besorgnis» die immer stärkere Aushöhlung des Patientenschutzes. Bei der Präsentation ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
An seiner heutigen Schlussabstimmung hat das Parlament der Teilrevision des Versicherungsvertragsgesetzes VVG zugestimmt.
An seiner heutigen Schlussabstimmung hat das ...
Verbände SVV Schweiz. Versicherungsverband  Zürich - Der Schweizerische Versicherungsverband SVV begrüsst die am 19. Juni 2020 vom Parlament verabschiedete Teilrevision des Versicherungsvertragsgesetzes VVG. Mit der Reform des Gesetzes aus dem Jahr 1908 werden die Vertragsregeln zwischen dem Versicherten und dem Versicherer an die Gegebenheiten des digitalen Zeitalters angepasst. Gleichzeitig wird den Anliegen der Konsumenten und der Anbieter von Versicherungsleistungen ausgewogen Rechnung getragen. mehr lesen  
Publinews Die medizinische Versorgung in der Schweiz ist international anerkannt. Doch seit Ende des 20. Jahrhunderts geniesst immer mehr das ... mehr lesen  
Kann künstliche Intelligenz den direkten Kontakt mit dem Arzt ersetzen?
Senn war sechs Jahre lang Zurich-Chef.
Fassungslos und tief erschüttert  Zürich - Der ehemalige Zurich-Chef Martin Senn hat sich das Leben genommen. Er wurde 59 Jahre alt. Für den Konzern ist es bereits der zweite Suizid eines hochrangigen Managers innert ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
EasyGov am Laptop
Startup News EasyGov.swiss vereinfacht die nötigen Behördengänge Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) baut den Online-Schalter für Unterneh-men EasyGov.swiss bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr aus. Mit ...
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich -4°C 3°C wolkig, wenig Schneeleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, aber kaum Regen
Basel 0°C 7°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen -1°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Bern -2°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Luzern -3°C 4°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Genf 0°C 7°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 3°C 5°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass trüb und nass
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten