Helsana droht Ärzten mit rechtlichen Schritten
publiziert: Dienstag, 30. Jan 2007 / 15:51 Uhr

Neuenburg - Per Flugblatt rufen Ärzte im Kanton Neuenburg ihre Patienten auf, von der Helsana zu einer anderen Krankenkasse zu wechseln. Die Helsana hält diesen Aufruf für illegal und droht mit rechtlichen Schritten.

Die Helsana habe die Ärzteliste ohne Konsultation der Ärzte erstellt habe.
Die Helsana habe die Ärzteliste ohne Konsultation der Ärzte erstellt habe.
Hintergrund des Streits ist ein Hausarztmodell, das die Helsana Anfang 2007 in mehreren Kantonen eingeführt hat. Die Ärztegesellschaft FMH kritisierte bereits im vergangenen Herbst, dass die Helsana die Ärzteliste ohne Konsultation der Ärzte erstellt habe.

In den falschen Hals geriet den Medizinern vor allem, dass bloss 40 Prozent aller Allgemeinpraktiker in den Hausarztlisten aufgeführt sind. Im Kanton Neuenburg sind die Ärzte derart erbost, dass viele von ihnen im Wartezimmer ein Flugblatt aufgehängt haben, das dazu aufruft, von der Helsana zu einer anderen Kasse zu wechseln.

Grenze überschritten

Die Helsana lässt sich dies nicht bieten, wie Helsana-Sprecher Rob Hartmans in der Sendung «Rendez-vous» von Schweizer Radio DRS sagte. Das Flugblatt überschreite die Grenze des rechtlich Zulässigen. Mit dem Aufruf zur Kündigung griffen die Ärzte in die Vertragsbeziehung zwischen der Helsana und den Kunden ein.

In einem eingeschriebenen Brief droht die Krankenkasse der Neuenburger Ärzteschaft deshalb mit rechtlichen Schritten. Helsana setze zwar vorerst auf einen Dialog, aber den Gang vors Gericht behalte sie sich vor, sagte Hartmans.

Ob die Neuenburger Ärzte einlenken, ist ungewiss: Jean-Pierre Walker, der Präsident der Neuenburger Ärztegesellschaft, kündigte gegenüber Radio DRS an, die Ärzte würden höchstwahrscheinlich auch einen Prozess in Kauf nehmen, wenn die Situation blockiert bleibe.

(bert/sda)

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